Die Laute gehört zu den traditionsreichsten Zupfinstrumenten Europas und des Nahen Ostens. Wer heute eine Laute kaufen möchte, begegnet allerdings sehr unterschiedlichen Instrumenten: Renaissance- und Barocklauten, Gitarrenlauten, Oud-Varianten und verwandten Bauformen unterscheiden sich bei Hals, Korpus, Saiten, Stimmung und Spieltechnik deutlich. Genau deshalb ist eine reine Produkt-Rangliste wenig hilfreich.
In diesem Ratgeber erklären wir die wichtigsten Lautenarten, zeigen die Unterschiede zu Gitarre und Mandoline und gehen auf Mensur, Saitenlage, Holz, Chöre, Stimmung, Pflege und Transport ein. Konkrete Amazon-Produktboxen zeigen wir nur, wenn ein Angebot eindeutig aktuell und sinnvoll verifizierbar ist. Für diese Seite liegt derzeit kein ausreichend belastbares Signal für die früher eingebundenen Einzelangebote vor; veraltete Boxen und Ranglisten wurden deshalb entfernt.
Kaufberatung: Das Wichtigste in Kürze
- Bauform zuerst wählen: Eine Renaissance- oder Barocklaute ist spieltechnisch und klanglich etwas anderes als eine Gitarrenlaute oder ein Oud. Entscheide deshalb zuerst, welche Musik und welche Spielweise dich interessieren.
- Chöre und Stimmung beachten: Historische Lauten besitzen häufig doppelte Saitenpaare, sogenannte Chöre. Ihre Anzahl beeinflusst Tonumfang, Halsbreite und Aufwand beim Stimmen.
- Saitenlage und Mensur bestimmen die Spielbarkeit: Zu hohe Saitenlage erschwert das Greifen. Eine passende Mensur und ein sauber eingestelltes Instrument sind für Einsteiger wichtiger als dekorative Details.
- Holz und Verarbeitung prüfen: Decke, Korpus, Hals, Steg und Wirbel müssen sauber verarbeitet sein. Risse, gelöste Leimstellen oder stark klemmende Wirbel sind Warnzeichen.
Lautenarten im Vergleich: Welche Bauform passt zu dir?
Der Begriff „Laute“ wird im Alltag für mehrere verwandte Instrumente verwendet. Gemeinsam ist ihnen ein Resonanzkörper, ein Hals und gezupfte Saiten. Bauform, Anzahl der Chöre und Stimmung können aber stark voneinander abweichen. Wer ein Instrument auswählt, sollte deshalb nicht nur auf die Optik achten.
Renaissancelaute: ausgewogener Einstieg in historische Musik
Die Renaissancelaute besitzt typischerweise einen birnenförmigen, aus einzelnen Spänen aufgebauten Korpus und einen nach hinten abgewinkelten Wirbelkasten. Viele Instrumente haben sechs bis acht Chöre. Die Saiten werden überwiegend mit den Fingern gezupft. Das Instrument eignet sich besonders für Musik der Renaissance, Sololiteratur und Ensemble-Spiel.
Für Einsteiger ist wichtig, dass die Wirbel sauber laufen und die Saitenlage nicht unnötig hoch ist. Historische Bauprinzipien bedeuten nicht, dass ein Instrument unbequem spielbar sein muss. Ein gut gebautes Modell lässt sich präzise stimmen und reagiert bereits auf leichte Anschläge.
Barocklaute: größerer Tonumfang und mehr Basschöre
Die Barocklaute entwickelte sich aus früheren Lautenformen weiter. Sie besitzt meist mehr Chöre und zusätzliche Basssaiten. Dadurch erweitert sich der Tonumfang deutlich. Der Preis dafür ist ein breiteres beziehungsweise komplexeres Instrument, das mehr Zeit beim Stimmen erfordert und sich eher an Spieler richtet, die gezielt Barockmusik erarbeiten möchten.
Beim Kauf sollte die Konstruktion der Basschöre genau betrachtet werden. Gerade ältere oder gebrauchte Instrumente können empfindliche Bereiche am Steg, an den Wirbeln und am Hals aufweisen. Ein äußerlich schönes Instrument ist nicht automatisch spielbereit.
Gitarrenlaute: vertrauteres Griffbrett für Gitarristen
Eine Gitarrenlaute verbindet die rundliche Lautenoptik mit einer gitarrenähnlichen Besaitung und Spielweise. Sie ist deshalb interessant für Menschen, die bereits Gitarre spielen und einen leichteren Zugang zu einem lautenähnlichen Klangbild suchen. Sie ersetzt jedoch keine historisch gebaute Renaissance- oder Barocklaute.
Der Vorteil liegt in der vertrauten Stimmung und Griffweise. Wer hauptsächlich Mittelalter-Folk, Begleitung oder unkompliziertes gemeinsames Musizieren plant, kann damit gut zurechtkommen. Wer dagegen historische Aufführungspraxis und originale Lautenliteratur im Fokus hat, sollte eher nach einer entsprechend gebauten historischen Laute suchen.
Oud: verwandtes Instrument mit eigener Tradition
Der Oud gehört zur Familie der Kurzhalslauten und besitzt eine eigene musikalische Tradition. Typisch sind der bundlose Hals, der große gewölbte Korpus und eine andere Stimmung als bei europäischen Lauten. Ein Oud sollte daher nicht einfach als „arabische Version“ einer europäischen Laute verstanden werden. Spieltechnik, Tonbildung und Repertoire unterscheiden sich deutlich.
Wenn dich der Oud interessiert, sollte die Auswahl gezielt nach Oud-Kriterien erfolgen. Besonders wichtig sind eine saubere Decke, gut laufende Wirbel, passende Saitenspannung und ein gerader Hals.
Aufbau einer Laute: Das solltest du vor dem Kauf kennen
Korpus und Decke
Der gewölbte Korpus einer traditionellen Laute besteht häufig aus mehreren schmalen Holzspänen, die zu einer Schale verleimt werden. Die Decke ist meist aus einem resonanzfreudigen Nadelholz gefertigt. Die Kombination aus leichter Decke und stabilem Korpus prägt Ansprache und Klang.
Bei gebrauchten Instrumenten solltest du die Decke auf Risse, Verformungen und gelöste Leimstellen prüfen. Kleine optische Spuren sind bei älteren Instrumenten normal, strukturelle Schäden können jedoch eine Reparatur erforderlich machen.

Rosette und Schallloch
Die Rosette ist eines der auffälligsten Gestaltungselemente. Bei vielen historischen Lauten ist sie direkt aus der Decke herausgearbeitet oder als feine Konstruktion eingesetzt. Sie beeinflusst nicht allein die Qualität des Instruments. Eine aufwendige Rosette kann handwerklich beeindruckend sein, sagt aber wenig über Saitenlage, Stimmung oder Gesamtzustand aus.
Hals, Griffbrett und Bünde
Anders als bei einer modernen Gitarre können die Bünde einer historischen Laute aus Darm oder synthetischem Material um den Hals gebunden sein. Dadurch lassen sie sich verschieben und anpassen. Das ist praktisch, verlangt aber etwas Erfahrung. Der Hals sollte gerade sein und keine auffälligen Verwindungen zeigen.
Wirbelkasten und Stimmwirbel
Der nach hinten gebogene Wirbelkasten ist charakteristisch. Viele Holzwirbel funktionieren rein durch Reibung. Sie müssen fest genug sitzen, um die Stimmung zu halten, dürfen aber nicht so stark klemmen, dass ein sauberes Stimmen kaum möglich ist. Bei einem gebrauchten Instrument lohnt sich deshalb ein kurzer Stimmtest besonders.
Chöre, Saiten und Stimmung richtig einordnen
Bei Lauten spricht man häufig von Chören. Ein Chor besteht meist aus zwei Saiten, die gemeinsam gegriffen und angeschlagen werden. Je nach Instrument gibt es auch einzelne Saiten. Die genaue Besaitung hängt von Epoche, Bauform und gewünschter Stimmung ab.
Wie viele Chöre sind sinnvoll?
Ein Instrument mit weniger Chören ist nicht automatisch minderwertig. Für Einsteiger kann ein überschaubarer Tonumfang sogar angenehmer sein, weil weniger Saiten gestimmt und kontrolliert werden müssen. Zusätzliche Basschöre erweitern den Tonumfang, erhöhen aber auch den Aufwand.
Saitenmaterial und Saitenspannung
Historisch wurden Darmsaiten verwendet. Heute kommen häufig synthetische Materialien zum Einsatz, die klimaunempfindlicher und leichter verfügbar sind. Wichtig ist, dass die Saiten zur Mensur und Konstruktion des Instruments passen. Eine deutlich zu hohe Spannung kann das Instrument belasten; zu geringe Spannung kann sich schwammig spielen.
Beim Saitenwechsel sollte deshalb nicht einfach irgendein Satz gekauft werden. Orientiere dich an den Angaben des Instrumentenbauers oder an einem Satz, der ausdrücklich für die konkrete Lautenart und Mensur vorgesehen ist.
Stimmung und Stimmgerät
Die Stimmung hängt von der Lautenart ab. Für den Einstieg kann ein chromatisches Stimmgerät hilfreich sein. Noch wichtiger ist, die Wirbel langsam und kontrolliert zu bewegen. Neue Saiten benötigen etwas Zeit, bis sie sich stabilisiert haben.
Die wichtigsten Kaufkriterien für eine Laute
Saitenlage
Die Saitenlage beschreibt den Abstand zwischen Saiten und Griffbereich. Ist dieser Abstand zu groß, wird das Greifen anstrengend und die Intonation kann leiden. Ist er zu niedrig, können Saiten schnarren. Eine pauschale Millimeterzahl für alle Lautentypen wäre nicht sinnvoll, weil Konstruktion und Mensur variieren.
Mensur
Die Mensur ist die schwingende Saitenlänge zwischen Sattel und Steg. Sie beeinflusst Griffabstände und Saitenspannung. Spieler mit kleineren Händen können eine sehr lange Mensur als anstrengend empfinden. Wer bereits Gitarre oder Mandoline spielt, sollte die Maße trotzdem nicht einfach übertragen.
Verarbeitung und Leimstellen
Kontrolliere Übergänge zwischen Decke und Korpus, Steg, Halsansatz und Wirbelkasten. Offene Fugen, auffällige Risse und starke Verformungen sollten vor dem Kauf geklärt werden. Bei handgebauten Instrumenten sind kleine optische Unregelmäßigkeiten nicht automatisch ein Mangel; funktionale Probleme sind wichtiger als perfekte Kosmetik.
Gewicht und Balance
Eine Laute wird beim Spielen anders gehalten als viele moderne Gitarren. Ein schwerer oder schlecht ausbalancierter Korpus kann auf Dauer stören. Probiere das Instrument möglichst in Spielhaltung aus und achte darauf, ob du Schulter und Unterarm entspannt halten kannst.
Koffer oder Tasche
Der gewölbte Korpus und der abgewinkelte Wirbelkasten brauchen beim Transport Schutz. Ein passender Koffer ist besonders bei häufigen Fahrten sinnvoll. Eine weiche Tasche kann für kurze Wege reichen, schützt aber weniger vor Druck und Stößen.
Laute, Mandoline und Gitarre: Wo liegen die Unterschiede?
Alle drei Instrumente gehören zu den Zupfinstrumenten, unterscheiden sich aber in Bauform und Spielgefühl. Die Mandoline besitzt typischerweise eine kürzere Mensur und vier doppelte Saitenpaare. Sie wird häufig mit Plektrum gespielt. Mehr dazu findest du in unserem Ratgeber zu Mandolinen.
Die moderne Gitarre besitzt meist sechs Einzelsaiten, feste Bünde und einen flacheren Korpus. Eine historische Laute hat dagegen häufig Chöre, einen gewölbten Korpus und einen charakteristischen Wirbelkasten. Wenn du verschiedene klassische Saiteninstrumente vergleichen möchtest, findest du ergänzend unseren Ratgeber zur Geige.
Neue oder gebrauchte Laute kaufen?
Ein neues Instrument bietet den Vorteil, dass Zustand und Gewährleistung klarer sind. Bei handgebauten Lauten kann die Lieferzeit jedoch länger sein. Gebrauchte Instrumente können preislich interessant sein und bereits gut eingespielt sein, müssen aber sorgfältiger geprüft werden.
Bei einer gebrauchten Laute solltest du nicht nur Fotos betrachten. Prüfe Hals, Decke, Leimstellen, Wirbel, Steg und Saitenlage. Lässt sich das Instrument sauber stimmen? Bleibt die Stimmung stabil? Gibt es Schnarren oder auffällige Nebengeräusche? Bei höherpreisigen historischen Instrumenten ist eine Beurteilung durch einen erfahrenen Lautenbauer sinnvoll.
Pflege und Lagerung
Temperatur und Luftfeuchtigkeit
Holzinstrumente reagieren auf extreme Trockenheit, hohe Luftfeuchte und starke Temperaturschwankungen. Lagere die Laute nicht direkt an Heizkörpern, im heißen Auto oder dauerhaft in feuchten Räumen. Ein stabiles Raumklima ist wichtiger als häufiges Polieren.
Reinigung
Staub lässt sich mit einem weichen, trockenen Tuch entfernen. Für lackierte oder geölte Oberflächen solltest du nur Mittel verwenden, die für die jeweilige Oberfläche geeignet sind. Aggressive Haushaltsreiniger gehören nicht auf ein Instrument.
Saiten und Wirbel kontrollieren
Saiten verschleißen und verlieren mit der Zeit an Klang und Stimmstabilität. Wie häufig ein Wechsel notwendig ist, hängt von Nutzung, Material und Lagerung ab. Wirbel sollten sich gleichmäßig bewegen. Wenn sie dauerhaft rutschen oder stark klemmen, ist eine fachgerechte Anpassung besser als improvisiertes Nacharbeiten.
Für wen lohnt sich eine Laute?
Eine Laute ist besonders interessant, wenn du dich für Alte Musik, historische Instrumente oder die charakteristische, direkte Ansprache gezupfter Darmsaiten beziehungsweise moderner Ersatzmaterialien begeisterst. Gitarristen finden über eine Gitarrenlaute einen vergleichsweise einfachen Einstieg, während eine historisch orientierte Renaissance- oder Barocklaute eine eigene Spieltechnik verlangt.
Wer nur ein dekoratives Instrument sucht, sollte bedenken, dass auch günstige Dekolauten Platz benötigen und empfindlich sein können. Wer wirklich spielen möchte, sollte Spielbarkeit und Zustand deutlich höher gewichten als Schnitzereien oder Hochglanzoberflächen.
Häufige Fragen zu Lauten
Für Einsteiger ist eine gut eingestellte Laute mit überschaubarer Chorzahl, angenehmer Mensur und sauber laufenden Wirbeln wichtiger als eine bestimmte Marke. Gitarristen kommen oft mit einer Gitarrenlaute schneller zurecht; für historische Musik ist eine passende Renaissance-Laute sinnvoller.
Ein Chor bezeichnet bei Lauten meist ein Saitenpaar, das gemeinsam gegriffen und angeschlagen wird. Je nach Bauform können einzelne Chöre auch nur aus einer Saite bestehen.
Viele Lauten besitzen einen gewölbten Korpus, Chöre statt sechs Einzelsaiten und einen nach hinten gebogenen Wirbelkasten. Stimmung, Mensur und Spieltechnik können sich ebenfalls deutlich von einer modernen Gitarre unterscheiden.
Dafür gibt es kein festes Intervall. Spielhäufigkeit, Saitenmaterial, Klima und gewünschter Klang entscheiden. Wenn Saiten schlecht stimmen, beschädigt sind oder deutlich an Klang verlieren, ist ein Wechsel sinnvoll.
Ein chromatisches Stimmgerät kann die Tonhöhe anzeigen. Entscheidend ist jedoch, welche Stimmung für die konkrete Lautenart vorgesehen ist. Diese sollte vor dem Stimmen bekannt sein.
Prüfe Risse, Decke, Steg, Hals, Wirbel, Leimstellen und Saitenlage. Das Instrument sollte sich sauber stimmen lassen und die Stimmung halten. Bei wertvollen Instrumenten ist eine Prüfung durch einen Lautenbauer sinnvoll.
Bildnachweis: Pixabay-Aufnahmen aus dem bisherigen Beitrag; vorhandene Bilddateien und Nachweise bleiben der Medienbibliothek zugeordnet.

